Textfeedback

Feedback ist ein wichtiger und leider oftmals unterschätzter Bestandteil des Schreibprozesses, sofern es konstruktiv und wohlwollend ist. Sich über seinen Schreibprozess und seine Ideen austauschen zu können, ist mindestens genauso wichtig wie die Recherche vor und die Überarbeitung nach dem Schreiben.

Denn das Sprechen über den eigenen Text eröffnet einem nicht nur neue Perspektiven und Denkanstöße, von denen der Text inhaltlich profitieren kann. Ein konstruktives Feedback kommt auch den Schreibenden selbst zugute, um an ihren Projekten persönlich zu wachsen, denn…

…wer im Flow schreibt, läuft Gefahr abzutreiben:

Schreiben ist eine kognitiv hoch anspruchsvolle Tätigkeit. Während dem Schreiben sprudeln oftmals viele Ideen hoch, wodurch der Flow schnell zu einem reißenden Gedankenstrom werden kann. Nicht selten tauchen Schreibende dabei so tief in ihr Gedankenmeer ein, dass sie gar nicht bemerken, wie weit sie sich vom Leser am Ufer bereits entfernt haben. Ein gutes Textfeedback hilft dabei, den Kontakt zum Leser nicht aus den Augen zu verlieren und dadurch die Leserfreundlichkeit des Textes zu erhöhen.

…Bestätigung und Motivation gehen Hand in Hand:

Wer viel Mühe und Arbeit in seinen Text investiert, freut sich zurecht über Lob und Anerkennung. Doch gerade in einer defizitorientierten Gesellschaft wie der unseren ist Wertschätzung etwas, das oft viel zu kurz kommt. Die meisten Menschen setzen “konstruktives Feedback” mit “konstruktiver Kritik” gleich, mit einem “freundlichen Verriss”. Doch wer stets nur auf seine Schwächen hingewiesen wird, bekommt einen einseitig verzerrten Spiegel vorgehalten. Denn niemand hat nur Schwächen, sondern immer auch individuelle Stärken. Ein konstruktives Feedback weist daher immer auf beides hin und kann dem Schreibenden somit ein realistischeres Bild von den eigenen Fähigkeiten zurückwerfen.

…jede Textsorte folgt ihren eigenen Regeln:

Beinahe jedes Schreibprojekt ist inhaltlichen und formalen Konventionen unterworfen. Jede dieser Konventionen erfüllt einen bestimmten Zweck, weil sie dem Text zu einer besonderen Eigenschaft verhilft, über den er sich als Textsorte definiert. Doch angesichts der vielen Textsorten und der vielen, vielen Konventionen, Vorgaben und Reglementierungen kann man als Schreibender dabei schnell den Überblick verlieren. Ein Feedback kann in diesem Regelwald wieder neue Orientierung geben, weil es dem Schreibenden offenbart, welche spezifischen Eigenschaften der Text bereits besitzt und welche ihm noch fehlen, um seinem Genre gerecht zu werden.